· 

Therwil - 20. Mai 2026


20. Mai 2026

Heute stand wieder mal ein Orni-Tag an. Die Prüfung rückt ja immer näher und ich möchte mich ein wenig mit dem Gebiet vertraut machen, wo wir die Prüfungs-Exkursion haben werden. Ich war zwar am Auffahrtsdonnerstag bereits mit einer Kurskollegin schnuppern; sie wohnt in Therwil. Aber heute wollte ich das Teilgebiet nochmals alleine erkunden. Sie musste heute Vormittag arbeiten. So machte ich mich um 8 Uhr auf den Weg. Eigentlich wollte ich viel früher los, aber da ich bei uns vor lauter Morgennebel nicht mal auf die andere Ortsseite rüber sah, wartete ich noch etwas. Musste ja nicht hetzen. Immerhin war es schon trocken. Um kurz nach 9 Uhr war ich da und startete. Hoffentlich würde das Gewitter bzw. der Regenguss mich verschonen und über Basel ziehen.

 

Zuerst ging es durchs Quartier, dann den Schrebergärten entlang und zum kleinen Naturschutzgebiet Au - im allerweitesten Sinn Richtung Oberwil. Schon bald hörte ich die ersten Piepmätze. In einem Gebüsch nahe am Wegesrand sassen drei junge Mönchsgrasmücken und gaben ihre typischen Klopflaute von sich. So süss, wie sie da zusammengekuschelt sassen, im morgendlichen noch grauen Wetter. Es war zwar nicht nass, aber auch noch nicht wirklich warm. Immerhin hatte ich keine kalten Hände, das war doch schon was. Und es war windstill. Die ersten Ringeltauben, Rabenkrähen, Stare und Haussperlinge hatte ich zu dieser Zeit schon gesehen. Am Brückchen, wo wir schon letztes Mal standen, sang unentwegt ein Zaunkönig oder gar zwei. Im kleinen plätschernden Bächlein - mehr war es nicht - schwaderte ein Stockenten-Erpel, im nahen Feld flatterten emsige Kohlmeisen-Eltern und auf dem Weg wippte eine Bachstelze mit ihrem Schwanz. Und weiter gings. auf der anderen Seite zwischen einem Acker und einer Wiese lief ich gemütlich bergan. Schon bald hörte ich eine - wie wir schon letztes Mal vermuteten - Zaunammer. Aber die App wollte partout eine Kohlmeise gehört haben. Naja, egal. Ich entschied mich, den Weg durch die Wiesen bis zur Hecke hochzulaufen, um näher dran zu sein, denn sehen konnte ich auch heute nichts. Natürlich war der Vogel inzwischen weiter nach hinten in eine Baumgruppe geflogen; war ja klar. Dann halt nicht.

 

Ich schlenderte gemütlich der Hecke entlang und am Ende angekommen suchte ich mit dem Fernglas die Hecke nahe einer Buntbrache ab. Und was sah ich denn da? Dem Hören nach müsste es eine Dorngrasmücke sein. Und ja tatsächlich: Ich konnte sie sehen. Um sicherzugehen, liess ich die App laufen. Sie bestätigte meine Annahme. So stand ich da und freute mich wie nur was! Und es kam noch mehr. Gleich auf dem Busch daneben tauchte ein Schwarzkehlchen auf. Flog mal auf, dann ins Gras und dann wieder zurück. Was für eine Freude. Ich lief noch ein paar Meter näher, die Strasse runter, so dass ich die beiden etwas näher sehen konnte. Derweil flog eine Schwar Stare in den nahen Acker und machte sich über allerlei Samen oder was auch immer her. Ein Bussard kam angeflogen und setzte sich auf einen kleinen Baum in dieser Heckenlinie, was der Amsel wiederum gar nicht gefiel. Zeternd flog sie zu den andern Vögeln, denen sich noch ein Haussperling angeschlossen hatte. Die Rabenkrähe, die den Mäusebussard verfolgt hatte, gab auch keine Ruhe, bis der sich ziemlich genervt wieder in die Luft erhob und verschwand.

 

Ich meinerseits kehrte wieder um und machte mich auf den Weg unter der Felder zu einem kleinen Rebberg und versuchte da mein Glück. Im Weiher linkerhand stand ein Graureiher und in der Tannenschonung rechterhand zwitscherte ein Girlitz, irgendwo weiter weg rief ein Grünfink von einer Fichte. Der Buchfink war auch in weiter Ferne zu hören, ebenso der Zilpzalp. Als ich beim Rebberg ankam, hörte ich einen Buntspecht, sah ihn aber erst nach etwas Suchen in den Reben an einem Pfosten rumhacken. Nur ein paar Meter weiter, bei einer Bank, turnte die Truppe Schwanzmeisen rum, die wir letztes Mal schon entdeckt hatten. So hübsch! Und in einer Ulme daneben flitzte ein Girlitz rum. Zuerst war ich mir nicht sicher, aber optisch konnte es gar nichts anderes sein. Während ich bei der Bank Pause machte, meinte ich noch ein Blässhuhn zu hören. Konnte es aber nicht sehen. Es war nun so um 12 Uhr, Karin würde erst um 13.30 Uhr zuhause sein. So spazierte ich in einem grossen Bogen durchs Quartier, sah noch einen Rotmilan kreisen. Bei einem kleinen Café gönnte ich mir einen Latte Macchiato.

 

Dann entschied ich mich, auf der anderen Seite des Dorfes - also auf den Weg ins Quartier Lindenfeld - einfach mal auf Gut Glück loszulaufen. Was für eine schöne Gegend. Schon bald war ich am Rand der Siedlung und bei den diversen Feldern. Ich lief einfach weiter. Auf den Radwegschildern war Leymen/Rodersdorf angegeben. So weit würde ich natürlich nicht laufen. Mir wurde bewusst, wie lange ich schon aus dieser Ecke des Baselbiets weg war. Früher fand ich mich noch "blind" zurecht... Egal. An einer Kreuzung zwischen den asphaltieren Feldwegen stand eine Bank unter einer grossen Linde. Genau richtig. Ich setzte mich hin und beobachtete zwei Rabenkrähen bzw. versuchte zu bestimmen, ob es wirklich solche waren oder nicht doch Saatkrähen. Dann lehnte ich mich einfach mal zurück und lauschte Wind und Vögeln. Und siehe da: nicht lange, und ich hörte sie wieder, die Dorngrasmücke. Es war so genial! Eigentlich hörte ich zuerst den Stieglitz und dachte noch "Hä, komisch zuerst dieses Gezwischter und dann das andere, irgendwie auch vertraute". Ich schaute genauer hin, konnte den Vogel aber nicht entdecken. So halt wieder die App, die es mir bestätigte. Den Stieglitz hingegen sah ich bald. Dorngrasmücken singen halt unterschiedlich, mal aus der Deckung, dann wieder ab der Warte oder gar in einem kurzen Singflug.

 

Ich nahm einen anderen Weg, so dass ich auf die Parallel-Strasse kam. Und da sah ich erneut eine Dorngrasmücke. Das war offensichtlich der Dorngrasmücken-Tag! Dabei hatte ich zuvor letzten Mai das erste und einzige Mal eine solche gesehen - am Bodensee. Und danach nie mehr, nicht mal in Rouffach vor zwei Wochen (auf der Kurs-Exkursion). Kurz danach war ich wieder bei Karin und wir plauderten und übten noch ein wenig, bevor wir zusammen zum Känelmatt-Schulhaus gingen. Sie wollte mir noch das andere Gebiet zeigen, damit ich das nächste Mal - Morgen oder Freitag - dort entlang weiterüben konnte. Schon bald spazierten wir zu einer Buntbrachen-Wiese, wo wir die nächste Dorngrasmücke sahen. Und sogar ein, oder zwei Schwarzkehlchen. Wir waren nicht sicher, ob es dasselbe war oder eben zwei.

 

Auch wenn es inzwischen extrem schnell warm geworden war, windete es doch einigermassen stark - und es war ohnehin langsam Zeit, mich auf den Heimweg zu machen. Ich wusste ja jetzt dank ihrer Tipps, wo ich das nächste Mal warten werden. So stieg ich bald darauf in den Bus, der mich zügig nach Liestal zurück brachte. Was war das für ein schöner Tag mit schönen Sichtungen.

 

Am Donnerstag werde ich wohl einen Spazier-Pausentag einlegen. Dafür am Freitagfrüh und am Samstag nochmals losziehen. Bin gespannt. Das Wetter soll ja halten.

 

Liste, gesehen/gehört und selbst erkannt :-): Amsel, Bachstelze, (Blässhuhn?), Buchfink, Buntspecht, Dorngrasmücke, Elster, Gartenbaumläufer, Girlitz, Graureiher, Grünfink, (Grünspecht?), Hausrotschwanz, Kohlmeise, Mauersegler, Mäusebussard, Mehlschwalbe, Mönchsgrasmücke, Rabenkrähe, Ringeltaube, Rotmilan, (evt. Schwarzmilan?), Schwanzmeise, Schwarzkehlchen, Star, Stockente, Türkentaube, Weissstorch, Zaunkönig, Zilpzalp

Die Merlin-App meinte noch, ein Rotkehlchen gehört zu haben. Aber die Töne konnte ich selbst nicht zuordnen (also, ob das feine Ziiii ein Amselwarnruf oder der eines Rotkehlchens war).

 



Kommentar schreiben

Kommentare: 0