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Der Tag danach - Entspannung pur


Was war das für ein Tag gestern. Frühmorgens um 6 Uhr standen wir alle bereit, mehr oder weniger nervös. Nach einer kurzen Begrüssung durch Niggi wurden wir alle in Gruppen auf die Experten verteilt und konnten losziehen. Ich war froh, dass ich mit Nicole von der OGB eine sehr erfahrene und in ihrer Art sehr beruhigende Co-Expertin hatte. Wir liefen das ganze Gebiet ab, fingen in einem er äusseren Quartiere an, folgten dem Weg in den Wald und später gings im Zick-Zack durch die Reben. Ich war erleichtert, dass sie - mehr als fair - die Meisenarten nur per Sichtung und nicht anhand des Gesangs bestimmen liessen. Nach 2 1/2 Std. war die "Outdoor"-Vogelbestimmung beendet und wir konnten ab 9.30 den Weg nach Muttenz nehmen. Dort ging es mit den restlichen Arten in der "Indoor"-Bestimmung weiter. Auch das klappte tipptopp. Bei den 60 Fragen der Theorie stellte ich fest, dass ich - nach über 20 Jahren wieder an einen ganztägigen Prüfung - schon die Nerven etwas spürte. Ich wusste zwar auf alle Fragen eine Antwort, aber sicher nicht alle zu 100 % richtig. Ich konnte vieles, was wusste, nicht einfach so abrufen. Zuhause in entspanntem Zustand fiel mir alles wieder ein, und zwar locker. Ich hatte in Bezug auf die Prüfung viel zu tiefgreifend gelernt. In Bezug auf die Ornithologie an sich natürlich nicht. Um 14.30 war der ganze Stress vorbei. Einige blieben noch vor Ort und gingen später noch was trinken. Ich wollte bloss heim und entspannen.

 

Das und vieles mehr wurde mir heute auf meinem frühmorgendlichen Spaziergang durch Feld und Flur auf der Sichtern bewusst. Ich wusste inzwischen, dass ich die Prüfung bestanden hatte, auch wenn wir das "offizielle" Mail erst am Montag bekommen sollten (was ich heute noch nicht wusste). Ich genoss meinen Spaziergang frühmorgens, sah ich doch all die Gesellen frischfröhlich durchs Geäst flattern und zwitschern. Zuallererst natürlich wie immer der Hausrotschwanz und die Amsel. Auf der Anhöhe ein erschrecktes Reh, danach folgten die "üblichen Verdächtigen". Zaunkönig, Buchfink, ein kleine Schwanzmeisen-Familie, später noch Grünfink, Mistel- und Singdrossel, Rotkehlchen, Buntspecht und Ringeltaube. Ein Mäusebussard zog seine Kreise. Die Mönchsgrasmücke und der Zilpzalp waren sowieso allgegenwärtig. Die Rabenkrähen ebenfalls und ja, sogar ein Weissstorch gab sich auf der Wiese die Ehre.

 

Bevor es zu warm wurde, war ich wieder zuhause. Irgendwie ein komisches Gefühl: Knapp zwei Jahre lang war Lernen angesagt und plötzlich war es "zack" vorbei. Aber was heisst vorbei: Ab jetzt fängt es ja erst richtig an:-) - ich kann all mein Wissen vertiefen, die Lücken füllen. Vieles, was ich am Schluss dann aus Zeitgründen (und weil für die Prüfung nicht zwingend nötig) teils zwar notiert, aber nicht tief gelernt hatte, kann ich jetzt quasi nachlernen und in aller Ruhe, ohne Prüfungsdruck nachlesen/lernen. Und ich habe die Gewissheit, dass ich wirklich viel gelernt und für mich mitnehmen konnte in diesem bereichernden Hobby. Was für tolles Gefühl, wenn ich Fachzeitschriften lese, zu entdecken, dass ich vieles jetzt verstehe, was ich zuvor vlt. mehr oder weniger überflogen hatte; also Fachbegriffe, von denen ich jetzt weiss, was sie bedeuten - im Sinn und in ihrer Konsequenz! Ein echter Gewinn. Ich bin so glücklich, dass ich diesen Lehrgang gemacht habe. Es gäbe zwar eine Fortsetzung und auch einen Exkursionsleiter-Lehrgang (auch 1 1/2 Jahre), aber letzteren würde ich erst in Betracht ziehen, wenn ich all das, was ich jetzt gelernt hatte, vertieft habe und mir weiteres Weissen angeeignet habe. Regelmässig mit der OGB und auch hin und wieder alleine auf Exkursion gehen etc. ist ein Teil davon. Einfach mal sacken lassen.



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